Fertilisation

 

Kartoffeln früh und gezielt düngen

Die Düngung beeinflusst nebst dem Ertrag auch die innere und äussere Qualität der Kartoffeln massgeblich. Daher können sich Nährstoffunter- oder -überversorgungen rasch und einschneidend finanziell auswirken.

In den letzten Jahren wurden in der Kartoffeldüngung diverse neue Produkte und Strategien erprobt und eingeführt. Grundlage jeder Düngung bleibt aber immer noch der Boden mit seiner Beschaffenheit und den Nährstoffvorräten. Es empfiehlt sich daher, die Bodenprobe jeweils unmittelbar vor den Kartoffeln zu stechen, da diese oft das wichtigste Fruchtfolgeglied darstellen. Weiter ist zu beachten, dass die Kartoffel im Vergleich zu anderen Kulturpflanzen ein bescheidenes Wurzelwerk aufweist, eine kurze Vegetationszeit hat und sehr grosse Nährstoffmengen aufnehmen muss (siehe Tabelle).

Nährstoffentzug von Kartoffeln (bei 50 to / ha Ertrag)

Hauptnährstoffe (kg/ha)

N

P2O5

K2O

MgO

CaO

S

Kraut / Wurzel

100

20

100

30

100

10

Knollen

150

75

300

38

25

13

Gesamt

250

95

400

68

125

23

Spurenelemente (g/ha)

B

Cu

Zn

Mn

Fe

Mo

Kraut / Wurzeln

50

50

100

200

250

1.00

Knollen

125

63

125

250

313

1.25

Gesamt

175

113

225

450

563

2.25

Stickstoff - der Motor

Stickstoff ist der Wachstumsmotor der Pflanze und muss daher früh aufgenommen werden. Grundsätzlich bevorzugt die Kartoffel Ammonium als Stickstoffquelle und reagiert ertragsmässig und qualitativ positiv auf den Einsatz von Ammoniumstickstoff (Ammonsulfat, Entec oder ammoniumhaltige Volldünger). Hohe Mengen an Nitratstickstoff (Ammonsalpeter) führen hingegen zu überzogenem Staudenwachstum, Reduktion der Stückzahlen und zum Auswaschungsrisiko der gedüngten Nitratmenge bei ergiebigen Niederschlägen. Wichtigster Grundsatz ist es, den Stickstoff früh zu düngen und ihn in den Damm einzuarbeiten. Die Bemessung der zu düngenden Stickstoffmenge richtet sich sehr stark nach der Sorte, der Verwertung, den Bodenreserven und der Vorfrucht, denn Nutzen und Schaden liegen bei der N-Düngung in den Kartoffeln sehr nahe beieinander.

Phosphor für Wurzelmasse

Der Bodenphosphor ist im Jugendstadium durch die Kartoffelpflanze nicht zu erschliessen und muss daher in wasserlöslicher Form (Triple-Super, DAP oder diverse Volldünger) gedüngt werden. Genügend wasserlöslicher Phosphor fördert die Wurzelbildung, die Jugendentwicklung und den Knollenansatz. Deshalb ist besonders bei ansatzschwachen Sorten wie etwa Agria, Markies und Panda grosser Wert darauf zu legen. Besonders effektiv ist es, den wasserlöslichen Phosphor unter Fuss zu düngen, jedoch sollte nur etwa die Hälfte der P-Menge unter Fuss platziert werden, weil sonst das durchwurzelte Bodenvolumen abnimmt, was sich auf die Versorgung mit Wasser und den restlichen Nährstoffen im weiteren Vegetationsverlauf negativ auswirken kann.

Kali fördert Qualität

Kali ist der wichtigste Nährstoff im Kartoffelanbau und erfüllt wesentliche Aufgaben bei der Assimilation und der Steuerung der Pflanze. Eine gut mit Kali versorgte Pflanze ist deutlich toleranter gegen Trockenheit, Hitze und Kälte. Ebenfalls positiv beeinflusst werden die Stärkeeinlagerung, die Schalenfestigkeit, die Lagerfähigkeit und das Risiko für Blauflecken und Beschädigungen bei der Ernte. Auch wenn viele viehhaltende Betriebe über eine gute Kaliversorgung verfügen, empfiehlt es sich, eine gewisse Kalimenge trotzdem in mineralischer Form zu streuen. Kartoffeln sind chloridempfindlich, daher sollte das chloridhaltige Kali (Kali 60) bereits im Herbst oder zeitig im Frühjahr gedüngt werden, damit das Chlorid ausgewaschen werden kann. Bei Industriesorten empfiehlt es sich sogar, generell nur sulfathaltiges Kali (Patentkali oder Volldünger mit sulfathaltigem Kali) einzusetzen.

Magnesium nicht vergessen

Magnesium ist massgeblich an der Chlorophyllbildung beteiligt und beeinflusst ähnlich wie das Kali die Qualität und die Stresstoleranz der Kartoffeln. Nach Einhaltung der Mg-Düngungsnorm (20 kg/ha) kann eine ausreichende Versorgung oftmals nicht gewährleistet werden. Es ist daher wichtig, auf eine erhöhte Magnesiumversorgung zu achten und zu diesem Zweck einen wasserlöslichen, Mg-haltigen Dünger (Patentkali, Kieserit, Magran) einzusetzen. Das Kali-Magnesium-Verhältnis sollte nicht mehr als 5:1 sein, da bekanntlich hohe Kaligaben die Magnesiumaufnahme reduzieren.

Im Herbst Hofdünger

Der Einsatz von Hofdünger im Kartoffelanbau sollte sich auf ein Minimum beschränken, da vor allem der Stickstoff oftmals zu spät mineralisiert wird und so zu Qualitätsproblemen führen kann. Wird aber Hofdünger eingesetzt, sollte dies vorzugsweise im Herbst geschehen, damit die Nährstoffe früh mineralisiert werden und somit weniger zu den erwähnten Qualitätseinbussen führen können.

Verschiedene Strategien

Ob Einzelnährstoffdünger oder Volldünger eingesetzt werden, entscheiden der Preis und die Strategie. Wichtig ist es aber, vor allem aus qualitativen Überlegungen, die Nährstoffe früh zu streuen, am besten vor der Pflanzung, damit diese in den Damm gelangen und so von der Kartoffelpflanze besser und auch früher genutzt werden können. Diverse Düngungsversuche haben gezeigt, dass die gesamte Nährstoffmenge einschliesslich Stickstoff vor der Pflanzung gestreut werden kann und dadurch keine negativen Einflüsse auf den Ertrag zu erwarten sind, vorausgesetzt, die eingesetzte Stickstoffform ist entweder Ammonium oder Harnstoff (siehe Grafik). Es wird im Gegenteil bei später Kopfdüngung oder beim Einsatz von hohen Hofdüngergaben oft beobachtet, dass die Kartoffeln zu spät noch Stickstoff aufnehmen. Dadurch wird die Stärkeeinlagerung negativ beeinflusst, der Backtest leidet, und die Schalenfestigkeit und die Lagerfähigkeit lassen zu wünschen übrig.